An dieser Frage scheiden sich die Geister. Wir haben so ziemlich jede Methode entweder selbst ausprobiert oder können auf verlässliche Erfahrungen anderer zurückgreifen, die es getan haben. Zu einem beträchtlichen Teil beruhen unsere Erkenntnisse zudem auf der Auswertung von universitären und amtlichen Studienergebnissen.
Sie werden feststellen, dass die meisten Inhalte unseres kleinen Ratgebers sich darauf beziehen, was alles nicht funktioniert. Leider scheint dies nötig zu sein, denn es haben sich zahlreiche Mythen im Internet verbreitet, welche jeder Grundlage entbehren. Wir möchten Sie gern davor bewahren, in jede Sackgasse selbst hinein zu laufen, wenn doch vor Ihnen schon genügend andere darin gewesen sind.
Sie werden überrascht sein – diese Frage lässt sich nämlich im Wesentlichen sehr einfach beantworten: Verzichten Sie auf jegliche oberirdische Manipulation der Pflanze!!!
Drei Ausrufezeichen sind kein einziges zu viel. Warum ist das so? Zum einen ist es vergebliche Mühe. Sie investieren Zeit und Nerven, häufig auch viel Geld, für eine nie endende Geschichte. Wie fleißig Sie auch herangehen – der invasive Neophyt treibt immer wieder neu aus.
Ein wesentlich wichtigerer Grund, die üblichen Bekämpfungsversuche zu unterlassen, ist jedoch der folgende. Sie werden die Pflanze nämlich mit solchen gut gemeinten Maßnahmen zu einer verstärkten Ausbreitung ihres Rhizoms anregen. Selbst wenn die Biomasse augenscheinlich reduziert wurde und der Nachtrieb schwächer erscheint – lassen Sie sich nicht täuschen. Dies bedeutet lediglich, dass die Pflanze ihre "Strategie" ändert. Anstatt in oberirdische Blattmasse investiert sie nun in unterirdische Wurzelmasse.
Andere invasive Neophyten wie der kaukasische Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) oder Armenische Brombeeren verdrängen zwar ebenso heimische Arten und sind nicht leicht zu bekämpfen aber sie sind ein kleines Problem im Vergleich zum Japanischen Staudenknöterich und seinen nahen Verwandten.
Die Prozesse im inneren der Pflanze, welche zu dem beschriebenen Effekt führen, sind bislang nicht hinreichend erforscht. Aber eine gesicherte Erkenntnis besteht: Die verstärkte Ausbreitung erfolgt immer, und sie erfolgt rasant!
Das heißt, der Staudenknöterich wächst nicht mal eben ein bisschen mehr, sondern die Flächengröße des befallenen Bodens explodiert regelrecht.
Die Pflanze schiebt ihre Erdkriechsprossen mehr oder weniger unbemerkt innerhalb kurzer Zeit über große Distanzen durch den Boden. Diese Ausläufer können innerhalb weniger Wochen mehrere Duzend Meter überwinden. Wo der Staudenknöterich auf annehmbare Wachstumsbedingungen trifft, da bleibt er und beginnt langsam wieder mehr Blattmasse zu bilden. Wird er auch dort "geärgert", dann schiebt er seine Sprosse eben noch weiter, selbst unter Straßen oder Mauern hindurch.
Überraschen Sie uns gerne mit etwas, was wir übersehen haben könnten. Wir können jedenfalls aufzählen, welche Methoden nicht funktionieren: Abmähen, Heißwasser, Heißdampf, Heißschaum, Wildkrautbürsten, Abflammen, Laser, Infrarot, Ultraschall, Ausgraben und Abdecken.
Warum funktioniert Ausgraben nicht? Diese Vorgehensweise ist sehr aufwändig und teuer. Es gab Projekt, bei welchen 3 Meter(!) Bodenaushub nicht ausreichten, um die Pflanze los zu werden. Man stellte dann fest, dass sie bis zu 6 Meter tief gewurzelt hatte. Es sind sogar senkrechte Bodendurchdringungen von bis zu 10 Meter beobachtet worden. Und, nebenbei bemerkt, wie soll der kontaminierte Boden sinnvoll behandelt werden? Der Transport von Bodenaushub, zum Beispiel im Rahmen von Baumaßnahmen, ist übrigens einer der häufigsten "Infektionswege".
Warum funktioniert Abdecken nicht? Zunächst wird auf der abgedeckten Fläche natürlich erst einmal gar nichts mehr wachsen, also auch kein Staudenknöterich. Doch Vorsicht – die Sprosse durchstoßen selbst mehrlagige, reißfeste Silofolien. Aber selbst wenn Sie eine extrem stabile Folie nutzen, wird der Knöterich mit seinen Erdkriechsprossen die Umgebung "erobern". Wir haben auf diese Weise aus 200 Quadratmeter Knöterich innerhalb von 2 Jahren 2.000 Quadratmeter gemacht. Tun Sie sich einen Gefallen, tun Sie es nicht.
Apropos Umgebung, bedenken Sie bitte auch folgendes: wenn Sie die verstärkte Ausbreitung triggern, erreicht der Bestand irgendwann die Grundstücksgrenze. Was macht er dann als nächstes? Richtig – weiter wachsen, nämlich auch beim Nachbarn. Wie ambitioniert Ihre Maßnahmen bis dahin auch waren, ab diesem Punkt ist sie häufig völlig zum Scheitern verurteilt. Meist lässt sich keine konzertierte Bekämpfung durch mehrere benachbarte Grundstückseigentümer organisieren und wenn der Knöterich erst einmal auf dem Nachbargrundstück wächst, dann wird er auch stets wieder zu Ihnen zurückkommen. Und umgekehrt.
Uns sind zwei Ansätze bekannt, welche zwar ebenfalls sehr aufwändig waren, aber zumindest erfolgreicher als die übrigen Methoden waren. Die Strombehandlung mit dem britischen RootWave-System kann eine Zurückdrängung leisten und triggert nicht die verstärkte Ausbreitung. Allerdings ist das System sehr groß, schwer und teuer und eine erfolgreiche Ausrottung ist uns bisher nicht bekannt.
Es wurden aufwändige Versuche mit unterschiedlichen chemischen Herbiziden durchgeführt, wobei auch unterschiedliche Applikationsverfahren zum Einsatz kamen. Auch dort konnte eine Zurückdrängung erreicht werden. Allerdings wurden dafür mehrere Jahre benötigt und der Einsatz von Pestiziden unterliegt einer stark sinkenden Akzeptanz. Eine vollständige Ausrottung ist mit Chemie ebenfalls nicht gelungen.
Die Ausrottung des Japanischen Staudenknöterich erfordert zwingend die vollständige Zerstörung seines gesamten Wurzelsystems. Diese kann nicht durch Maßnahmen über der Erde erreicht werden, sondern nur durch solche die unter der Erde wirken. Es braucht einen "Wurzelkiller" der tief in die Wurzel eindringt und sie von innen so stark schädig, dass sie abstirbt und nicht erneut austreibt. Die gleichnamige Elektrolanze der Marke Wurzel-Killer ist dazu in der Lage.
Das Wurzelsystem besitzt natürliche Leitsysteme für Wasser und Nährstoffe. Und diese Leitsysteme können noch etwas anderes transportieren, nämlich elektrischen Strom. Allerdings bedarf es spezieller Ströme für eine nachhaltige Bekämpfung. Sowohl die Erzeugung dieser Ströme als auch die Steuerung der Geräte ist eine enorme ingenieurtechnische Leistung. Der technologische Durchbruch ist – trotz insgesamt ca. 140 Jahren Forschung an Elektroherbizid – erst kürzlich gelungen.
Die Anwendung von Hochspannung gegen Unkraut erfordert hohe Fachkompetenz und umsichtiges Handeln. Aus diesem Grund sollte sie nur durch entsprechend geschultes Personal erfolgen. Der Einsatz der Wurzel-Killer-Elektrolanze ist deshalb ausschließlich professionellen Akteuren vorbehalten. Privatpersonen sollten einen Dienstleister mit der Bekämpfung beauftragen.